Kendo Praxis und Grundlagen!

Kihon: Die Kendō-Grundlagen

Technik

Kihon-waza nennt man die Grundübungen beim Kendō. Dazu gehört die Fußarbeit (Ashisabaki) und die Schlagübungen (Suburi), die man ohne Partner üben kann. Beim Kendō werden folgende Suburi in verschiedenen Variationen, manchmal auch einhändig (Katate), geübt.

Jôgeburi (großer, weit ausgeholter Schlag bis auf Kniehöhe durchgezogen)
Nanameburi (schräger, großer Schlag)
Shōmen-uchi (großer, weit ausgeholter gerader Schlag auf Stirnhöhe)
Sayūmen-uchi (schräger Schlag auf die Schläfe)
Haya suburi oder Choyaku suburi (schnelle, gesprungende Suburi, von hayai – schnell oder chōyaku – springen)

Eine weitere wesentliche Grundübung, die aber mit Partner geübt wird, stellt das Kirikaeshi dar.

Innere Einstellung

Die innere Einstellung ist beim Kendō sehr wichtig und unterscheidet sich gravierend von anderen Arten des Budô, wie zum Beispiel dem Aikidô. Im Aikidô, wo die Energie des Gegners gegen ihn verwendet wird, wartet man auf den Angriff des Gegners. Beim Kendō gibt es keine echten Verteidigungen. Wenn überhaupt wird hier auf den Gegner ein geistiger Druck (Seme) ausgeübt und zum Schlagen provoziert. Da dieser Schlag erwartet wird, kann eine Kontertechnik (Ôjiwaza) erfolgen. Ein anderer Ansatz des Angriffs sind die sog. Shikagewaza. Durch diese Techniken wird die Haltung des Gegners gebrochen, damit dem eigenen Schlag nichts im Wege steht und auch keine Kontertechnik erfolgen kann.

Im Moment des Schlages darf nicht gezögert werden, da sonst der Schlag nicht mit voller Überzeugungskraft ausgeführt wird. Es ist nicht wichtig, ob man selber getroffen wird, sondern entscheidend ist der eigene Schlag. Auch im Wettkampf (Shiai) sollte dies die richtige Einstellung sein, denn:

Wer verteidigt, verpasst die Gelegenheit zum Angriff!

Kakegoe

Eine Vokalisierung beim Kendo ist sehr wichtig. Bei Grundtechniken bei denen auf die Trefferflächen beim Kendo gezielt wird, werden gewöhnlicherweise die Trefferflächen laut gerufen (z.B.: Kote!, Men!, Do!), um zu vermitteln, dass der Treffer kein Produkt des Zufalls, sonden mit voller Absicht und Überzeugung erzielt wurde. Eigentlich gibt es aber keine Vorschrift, die ein Kiai mit einem speziellen Wortruf vorschreibt und es wird auch im Wettkampf normalerweise nicht gemacht. Dort sind es oft eher schrille Schreie, die der Einschüchterung des Gegners, sowie dem Aufbauen innerer Spannung dienen. Im Moment des Treffens ist jedoch immer ein Kiai notwendig, um einen gültigen Treffer zu erzielen. (siehe unten ki-ken-tai-ichi).

Anders ist es bei der Kata. Dort sind bestimmte Schläge vorgeschrieben, die vom Shidachi mit „Ya!“, vom Uchidachi mit „To!“ zu begleiten sind.

Ki ken tai ichi

Ein wichtiger Aspekt des Kendō ist das ki-ken-tai-ichi (気剣体一), die Einheit von Geist (symbolisiert durch den ki ai, den Schrei), Körper (symbolisiert durch den fumikomi-ashi, einen sprungähnlichen Stampfschritt) und Schwert. Ein Schnitt/Treffer ist im Kendō nur dann gültig, wenn er mit Überzeugung ausgeführt wird und ki ai, fumikomi-ashi und Auftreffen des Shinai im selben Augenblick stattfinden. Verallgemeinernd kann man sagen, dass beim Kendō „aus der Hüfte“ und nicht, wie oft fälschlich angenommen, hauptsächlich mit den Armen geschlagen wird.

Bei der Kata, dem Kirikaeshi und bei manchen Grundübungen wird statt dem Fumikomiashi auch Tsugiashi verwendet. Bei diesem gleitenden Schritt ist der entscheidende Moment der, bei dem die Zehen des linken Fußes auf der Höhe des rechten Hacken zum stehen kommen.

Kata

Nihon-Kendō-Kata

Neben dem Wettkampf und dem Training mit dem Shinai gibt es die Kata, der einzige Verwendungsbereich von Bokuto bzw. Katana im heutigen Kendō. Dies sind von 2 Personen ohne Rüstung vorgeführte Techniken, die bestimmten zeremoniellen Formen, wie beispielsweise das An- und Abgrüßen, unterliegen. Alle von den beiden Personen zu machenden Aktionen sind fest in Art und Reihenfolge festgeschrieben. Bei den Kata gibt es immer einen Lehrer (Uchidachi) und einen Schüler (Shidachi). Der Lehrer führt grundsätzlich immer den ersten Schlag aus, der Schüler immer den letzten, der ihn zum „Sieger“ deklariert. Es kommt bei den Kata aber nicht auf das „Gewinnen“ an, sondern auf eine möglichst saubere und flüssige Ausführung der Techniken. Daher sind Kata sehr nützlich zum Trainieren und Verfeinern der einzelnen Techniken, ähnlich dem Lektionieren beim Fechten.

Die Nihon-Kendō-Kata wurde vor etwas über 100 Jahren aus den Formen verschieder alter japanischer Fechtstile (Kenjutsu Koryû) zusammengestellt und wird noch heute geübt.

Kihon-Kendō-Kata

Die Übungsmethode der Kendo-Grundtechniken mit dem Bokuto (jap. Bokuto ni yoru Kendo Kihon-waza Keiko-ho), kurz auch „Kihon-Kata“ genannt, vermittelt dem Kendoka grundsätzliche Prinzipien des Kampfes mit einem Schwert und ergänzt so das Training mit dem Shinai. In neun Formen werden Grundtechniken vermittelt. Dabei wird wie in der Nihon-Kendo-Kata an- und abgegrüßt. Die Übenden werden Motodachi und Kakarite genannt. Alle Formen werden in der Chudan-no-kamae ausgeführt. Nach der Ausführung der Technik wird Zanshin ausgeführt.

1. Kihon: Ippon-uchi-no-waza (sho-men, kote, do, tsuki)
2. Kihon: Ni-san-dan-no-waza (kote-men)
3. Kihon: Harai-waza (Harai-men)
4. Kihon: Hiki-waza, Tsuba-zerai (Hiki-do)
5. Kihon: Nuki-waza (men-nuki-do)
6. Kihon: Suraiage-waza (kote-suriage-men)
7. Kihon: Debana-waza (debana-kote)
8. Kihon: Kaeshi-waza (men-kaeshi-do)
9. Kihon: Uchi-otoshi-waza (do-ushi-otoshi-men)

Die Kihon-Übungsformen gibt es erst seit diesem Jahrhundert und sie sind umstritten, da sie in Japan selber kaum praktiziert werden, aber im (nicht-japanischen) Ausland eingehend Anwendung finden.

Grade

Im Deutschen Kendobund (DKenB) gibt es sechs Schülergrade (Kyu-Grade) beginnend mit dem 6. Kyû, als niedrigstem und endend mit dem 1. Kyû als höchstem Grad. Die Schülergrade werden durch eine Prüfung erreicht. Anschließend beginnen die eigentlichen Graduierungen (Dan-Grade). Die Zen Nihon Kendō Renmei (全日本剣道連盟) kennt offiziell 10 Kyû-Grade und 10 Dan-Grade. Die Schülergrade werden in Japan hauptsächlich für die Kinder verwendet, da man schon relativ jung mit Kendô beginnt. Westler neigen dazu, die Graduierungen überzubewerten, da selbst ein 3ter Dan in Japan immer noch als Schüler gilt.

Beim Kendō ist der 8. Dan (Hachidan) der höchste durch eine Prüfung zu erlangende Grad. Diese Prüfung wird zwei mal pro Jahr in Japan abgehalten (Frühjahr und Herbst), und es bestehen weniger als 1% der Teilnehmer. Der neunte und der zehnte Dan werden nicht mehr verliehen. Beide Grade waren bis zur Änderung der Zen Nihon Kendō Renmei Statuten nur durch Nominierung zu erreichen.

Weiterhin gibt es noch Ehrentitel (Shōgō), welche das besonders heraus zu hebende Verständnis für Kendo bzw. die besonderen Verdienste und Leistungen eines Kenshi indizieren:

Renshi(錬士) (ab 6.Dan möglich) frühestens 1 Jahr nach der Prüfung zum 6. Dan.
Kyōshi(教士) (ab 7.Dan möglich) frühestens 2 Jahre nach der Prüfung zum 7. Dan.
Hanshi(範士) (ab 7. Dan bzw. 8. Dan möglich).

Die Mindestabstände zwischen den Prüfungen betragen nach der Prüfungsordnung des Deutschen Kendobund für Schülergrade jeweils ein halbes Jahr. Die Prüfung zum 1. Dan darf man ein Jahr nach der letzten Prüfung ablegen. Alle weiteren Prüfungen erfordern eine Wartezeit vom aktuellen Dan-Grad in Jahren, wobei man die Wartezeit trainierend verbringen sollte, da man sonst die Prüfung nicht bestehen wird.

Im Gegensatz zu anderen Budō-Disziplinen (Judō, Karate-dō etc.) ist die jeweilige Graduierung eines Kendōka nicht an der Kleidung erkennbar.

Stilarten

Neben dem klassischen Kendo Stil im Chudan-no-Kamae haben sich zwei Varianten etabliert

Jodan

Beim Jodan Stil wird das Higi Jodan-no-Kamae verwendet. Der Schwer ist dabei aggressiv über dem Kopf erhoben, der Angriff erfolgt hierbei durch einen fumikomi-ashi mit dem vorderen linken Fuß. Dadurch wird eine große Angriffsreichweite erreicht. Zusätzlich greife einige Kämpfer aus dieser Position gerne einhändig (Katate) an, um die Reichweite zusätzlich zu erhöhen.

Nito

Beim Nito Stil wird mit zwei Schwerter gekämpft (nito = zwei Schwerter), d.h. wie in der Niten Ichiryū von Miyamoto Musashi benutzen sie Lang- und Kurzschwert gleichzeitig. Das Kurzschwert wird dabei vor dem Körper gehalten und zur Ablenkung, Abwehr und zum Brechen des Kamae des Gegners benutzt, während das lange Shinai über den Kopf erhoben darauf wartet so auf freigelegten Trefferstellen zu punkten. Dabei ist es dem Kämpfer überlassen, ob er das lange Shinai mit der linken oder der rechten Hand benutzt.

Shiai: Der Wettkampf

Der Wettkampf stellt den wesentlichen Unterschied von Kendō zu den traditionellen, japanischen Schwertstilen dar. Es gibt Meisterschaften auf allen Ebenen als Einzel- oder Mannschaftsmeisterschaften. Ein paar der bedeutendsten Meisterschaften sind:

All Japanische Meisterschaft
Japanische High-School Meisterschaft
Japanische Universitätsmeisterschaft
Weltmeisterschaft
Europameisterschaft

Frauen haben getrennte Meisterschaften, aufgrund von Teilnehmermangel findet in Europa auf Länderebene nicht immer eine Trennung zwischen Männern und Frauen statt.

Auch Kinder haben ihre eigenen Tuniere. Es gibt z.B. die Jugendweltmeisterschaft. Auf Tunieren werden Kinder nach Altersklassen eingeteilt: 6-8, 9-12, 13-15 und 16-18 Jahre. Natürlich können auch jüngere Kinder daran teilnehmen.

Quelle wikipedia

 


 


 


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